Thementag Kunsttherapie – Das Demenzsymposium – ein Rückblick

Am 2. Oktober 2009 fand an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft im Fachbereich Künstlerische Therapien ein Kunsttherapie Symposium unter dem Titel: “Dimensionen des Vergessens und Erinnerns“ - Kunsttherapie bei dementiell erkrankten Menschen - statt. An den über 120 Teilnehmer, mehrheitlich aus der Region Bonn Rhein-Sieg, und den Vielen die nicht mehr an der Tagung teilnehmen konnten, da die Räumlichkeiten beschränkt waren, wurde deutlich, wie aktuell dieses Thema ist.
Vier bis acht Prozent über 65 Jährigen leiden an einer Form von Demenz. Allein 300.000 der Betroffenen leben in Nordrhein-Westfalen.


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Der Fachbereich Künstlerische Therapien eröffnete mit dieser Auftaktveranstaltung ein „Forum – Kunsttherapie“  in der Region Köln / Bonn, in dem künftig zu verschiedenen Themenbereichen der Künstlerischen Therapien im medizinischen Kontext, aber auch im Sozialbereich, regelmäßig Fachgespräche und jährlich eine Tagung, oder ein wissenschaftliches Symposium stattfinden werden.

Bei diesem ersten Symposium, zu dem acht Referenten eingeladen waren aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu dem Überthema „Dimensionen des Erinnerns und Vergessens“ zu sprechen und mit dem Publikum zu diskutieren, wurden den interessierten Teilnehmern Einblicke in die Bereiche der Medizin, der Pflege und natürlich der spezifischen Möglichkeiten der Kunsttherapie eröffnet. Es entstand durch diese unterschiedlichen Beiträge ein lebendiges Bild davon, wie sehr diese an Demenz erkrankten Menschen unter ihrer Erkrankung leiden, auch wenn sie dies selbst nicht mehr unbedingt äußern können.
Zunehmend mehr wird die Kunsttherapie als ein Mittel in der Betreuung von Demenzkranken in verschiedenen Einrichtungen eingesetzt - auch um einen anderen Zugang der Begegnung und des Ausdrucks zu ermöglichen. Kunst kann gleichzeitig aber auch ein Mittel der Therapie sein, wenn sie sinnliche Erfahrungs- und Aktionsfelder eröffnet, die nicht durch den beschwerlichen Alltag geprägt sind, sondern ganz unmittelbar einen Ebene von Gemeinsamkeit und Wahrnehmung herstellt, die zu einer neuen Art der Kommunikation führt.
Kunsttherapie ist eine ressourcenorientierte Therapieform, die sich für die therapeutische Begleitung dementiell erkrankter Menschen hervorragend eignet, um über das künstlerisch gestaltete Material Lebensimpulse zu stärken und Einfluss zu nehmen auf  die Wiederherstellung von Würde für Menschen, die sich ‚nutzlos’ fühlen - nach dem Motto von Dubuffet ‚Kunst gedeiht im Schatten genauso wie im Licht’.

Den Teilnehmern aus den Bereichen der Kunsttherapie, der Medizin, der Pflege und der Angehörigen wurde ein Einblick ermöglicht, welche besonderen Herausforderungen der Umgang mit dementiell erkrankten Menschen fordert und welche spezifischen Möglichkeiten die Kunsttherapie dabei anzubieten hat.
Prof. Dr. Albrecht Warning stellte Aspekte der medizinisch- physiologischen Diagnostik und Ergebnisse der Hirnforschung vor und beschrieb einen Zusammenhang zwischen Lernverhalten und geistiger Aktivität, auf die Leibphänomenologie bzw. auf die Gedächtnisleistung von Senioren.
Prof. Sigrid Völker betonte das spezifische Zusammenwirken von Emotion und Gedächtnis bei demenzkranken Menschen und verwies auf wichtige Beziehungserfordernisse, damit den individuellen Besonderheiten eines Menschen auch unter den schwierigen Bedingungen fortschreitender (kognitiver) Beeinträchtigungen, Sinn, Wert und Ausdruck gegeben wird.
Prof. Dr. Barbara Wichelhaus verdeutlichte anhand der Untersuchung von Künstlerbildern die Einschränkung, aber insbesondere das sich erhaltende Vermögen künstlerischen Ausdrucks und künstlerischer Umsetzungsfähigkeit bei dementiell erkrankten Künstlern nach dem Motto Dubuffet`s ‚Kunst gedeiht im Schatten genauso wie im Licht’.
Ein besonderes Projekt mit Senioren stellte Claudia Büeler vor. Durch das zeichnerische Portraitieren von dementiell erkrankten Senioren richtet sich die ganze Aufmerksamkeit des Zeichners auf sein Gegenüber. Die dann folgende farbige Weiterentwicklung des Portraits durch die Teilnehmer stimuliert einen emotionalen Zugang zur inneren Welt der Betroffenen.
Dagmar Wohler beschrieb die Kunsttherapie als eine ressourcenorientierte Therapieform, die sich für die therapeutische Begleitung dementiell erkrankter Menschen hervorragend eignet, um über das künstlerisch gestaltete Material Lebensimpulse zu stärken und Einfluss zu nehmen auf die (Wieder)Herstellung der Würde der Betroffenen, die sich ‚nutzlos’ fühlen. Durch den Erwerb von Handlungs- und Begegnungsfähigkeit mit sich selbst und Anderen wird auch die Beziehungsfähigkeit gefördert.
Ada van der Star hob als wesentliche Kriterien eines pflegerischen Ansatzes den Einbezug des ganzen Menschen (Leib, Seele und Geist) hervor, der die Bedürfnisse der Betroffenen aufgreift. Als Grundpflege, die das Wohlbefinden des alten Menschen nachweislich steigert, verweist sie auf die Notwendigkeit der Aktivierung der Körper- und Lebenssinne durch Wärme, Bewegung, Berührung und Ernährung.
Katharina Steinich sprach über ein schon begonnenes Zukunftsprojekt: die Etablierung eines Flächennetzwerkes für den Landkreis Ahrweiler, das die Schaffung eines künstlerischen Gestaltungsangebots für dementiell erkrankte Menschen zum Ziel hat.
Prof.  Dr. Harald Gruber
warf die Frage auf ‚Lässt sich das alles noch bezahlen?’ und erläuterte, dass die Kunsttherapie als besonderes Therapieverfahren auch bei den Leistungsträgern im Gesundheitswesen verankert werden muss, was einen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit dieser Verfahren erfordert.

Das lebhafte Gespräch zwischen Referenten und Teilnehmern, bewegte Aspekte des Umgangs  und Einbezugs von Lebensbezügen wie: Tod, Krieg und Vertreibung, aber auch die Frage, wie die Gestaltung des Pflegealltag zu einer adäquaten und würdigen Begleitung des Menschen werden kann.

Die anschließende Vernissage der Ausstellung ‚Ich will Freiheit’ mit Bildern von Eberhard Warns wurde durch die persönlich berührenden Worte seiner Ehefrau Else Natalie Warns eröffnet. Mit Beschreibung der Symptome und Lebenswelt ihres an Demenz erkrankten Mannes und dessen nonverbalen und kreativen Möglichkeiten führte sie in die Ausstellung ein.
Mit ‚Ich will Freiheit’ wurden die Eindrücke des Symposiums bildhaft abgerundet.

Ein Tagungsband ist in Planung und wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 über die Hochschule zu beziehen sein.

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