Die berufsbegleitende Kunsttherapieausbildung - ein Interview mit Hildrun Rolff

Sie leiten die ‚berufsbegleitende Weiterbildung Kunsttherapie’ an der Alanus Hochschule.
Was würden Sie als das besondere Merkmal der Ausbildung zum Kunsttherapeuten an der Alanus Hochschule bezeichnen?

Die vierjährige Berufsbegleitende Weiterbildung zeichnet sich zum Einen durch ein qualifiziertes Lehrpersonal, zum Anderen durch eine sehr individuelle Begleitung der Studierenden aus. Der Aufbau der Weiterbildung bietet darüber hinaus durch die Struktur des Aufbaus die Möglichkeit, sich die Inhalte in Etappen und mit Schwerpunkten zu erarbeiten. Das Basisjahr (erstes Jahr) gibt die Möglichkeit die grundlegende Rolle der Kunst für die Kunsttherapie zu erfahren. Im zweiten Jahr der Ausbildung ist die Beschäftigung mit den Phasen des Lebenslaufs, der Entwicklung in der Kindheit und deren Ausdruck in der Kunst wichtigstes Thema. Der medizinische Unterricht legt hier die Grundlage für ein Verständnis der physiologischen Prozesse beim gesunden Menschen. Im dritten Jahr spielen kunsttherapeutische Diagnostik und die Krankheitslehre eine Hauptrolle und im vierten Jahr liegt der Fokus auf der Entwicklung individueller Therapiekonzepte und Ansätze. Begleitend zu den Lehrinhalten finden durch alle Jahre hindurch Praktika und Hospitationen an unterschiedlichen Einrichtungen statt. Kurz gesagt, die Studierenden erhalten ein sehr umfangreiches und gutes Rüstzeug für ihre berufliche Praxis.

kunsttherapieausbildungWelche Rolle spielt die Anthroposophie in der berufsbegleitenden Weiterbildung Kunsttherapie an der Alanus Hochschule?
Das Menschenbild, das in der anthroposophischen Sichtweise vertreten wird, bildet die Grundlage auf der die Ausbildung aufgebaut. Das heißt, dass Menschen und ihre Kunstwerke nach ihrer Verfassung im Körperlichen, Seelischen und Geistigen befragt und Therapieansätze gesucht werden, die diese drei Ebenen berühren und mit einbeziehen.

Können Sie als Beispiel ein Projekt beschreiben, das Teilnehmer der  berufsbegleitenden Weiterbildung Kunsttherapie entwickelt haben/entwickeln?
Ja – da gibt es Einige. Zum Beispiel haben wir eine Absolventin, die im Grundberuf Juristin ist und mit Kunsttherapie in der Organisationsentwicklung arbeitet. Sie nennt ihre Arbeit „Ordnungscoaching“ und ist damit sehr erfolgreich. Eine andere Teilnehmerin hat ein Projekt auf die Beine gestellt in dem sie mit der Kunsttherapie Migrantenkindern hilft ihre Sprachbarrieren zu überwinden. Dafür hat sie einen regionalen Bürgerpreis der Sparkassen im Bereich “Kultur verbindet” erhalten.

Wird die Kunsttherapie auch über Eigenerfahrung vermittelt?
Ja – das ist eigentlich die Herangehensweise, wie wir Kunsttherapie hier lehren. Die Selbsterfahrung findet anhand der praktischen Lehr-Inhalte statt, wie z.B. über das Formenzeichnen. Bei dieser Zeichentechnik stützt man sich sehr intensiv auf die eigene Atmung und auf Prozesse im Organismus, die mit der Zirkulation (z.B. Blutkreislauf) im Allgemeinen zu tun haben. Die Wirkung ist unmittelbar und vermittelt zugleich auch schon einen Hinweis auf ihre Anwendbarkeit im therapeutischen Kontext. Außerdem absolvieren unsere TeilnehmerInnen extern, außerhalb des Unterrichts Lehrkunsttherapie. Das ist eine Form der Kunsttherapie, bei der es darum geht persönliche Stärken und Schwächen zu erkennen und für die spätere kunsttherapeutische Arbeit auszubauen, bzw. zu bearbeiten. Zum Beispiel: Ein angehender Kunsttherapeut vermeidet die Farbe Rot, da er unbewusst mit Rot Gewalt und Aggression verbindet. Wenn dieser Kunsttherapeut auf einen Patienten trifft für dessen Genesung Rot die Farbe der Wahl wäre, wird dieser Therapeut jedoch dafür „blind“ sein, da er selbst damit ein Problem hat. In der Lehrkunsttherapie geht es nun darum - im geschützten Rahmen – das Rotthema so zu bearbeiten, dass die Farbe Rot für den angehenden Therapeuten zum „Freund“ wird. Erst dann ist sie für diesen Therapeuten als Therapiemittel einsetzbar.

Fokussieren Teilnehmer der Weiterbildung schon während der Ausbildungszeit auf ein späteres Arbeitsfeld?
Viele haben bereits eine klare Vorstellung wie und in welchen Bereichen sie mit dem neuen Beruf arbeiten wollen. Einige entwickeln im Verlauf der Ausbildung Ideen, wie sie mit kunsttherapeutischen Methoden ihren Ursprungsberuf verändern oder weiterentwickeln können. Manche steigen ganz um und gehen in eine Klinik oder andere Einrichtung, oder machen sich Selbständig und arbeiten als KunsttherapeutIn. Andere integrieren die erlernten Methoden und Inhalte in ihren bestehenden Beruf.

Weiterbildung KunsttherapieStehen Sie in Hinblick auf die spätere Tätigkeit beratend zur Seite?
Ja natürlich – sofern dies gewünscht wird. Unser Kollegium ist insgesamt sehr bemüht den Studierenden auf allen in Frage kommenden Ebenen Hilfestellung zu geben.

Haben Sie Erfahrungswerte zu wie viel Prozent Teilnehmer der Weiterbildung ihren Beruf ausüben? Z.B. ist eine Vollzeitberufstätigkeit machbar oder ist es empfehlenswert während der Ausbildung den Beruf etwas zu reduzieren?
Da haben wir unterschiedliche Erfahrungswerte. Es gibt Studierende, z.B. eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kindern, die Vollzeit berufstätig ist, die den anspruchsvollen Anforderungen der Weiterbildung gut gerecht wird. Andere, die sich beruflich Freiräume schaffen um mehr Zeit für die Ausbildung zu bekommen. Insgesamt ist es oft Thema, wie schafft man sich Raum und Zeit für die Hausarbeiten, die Vorbereitung von Referaten oder die notwendige Atelierarbeit. Dabei ist es sehr wichtig, dass zuhause die Familie, der Ehepartner, die Kinder der Weiterbildung positiv gegenüber stehen.

Was muss ein Bewerber mitbringen – an künstlerischer oder therapeutischer Erfahrung?
Da die Kunst, in dieser Form der Kunsttherapie als „Heilmittel“ verwendet wird spielt das natürlich eine wichtige Rolle. Bewerber sollten daher schon mehrjährig Erfahrungen im bildnerischen Gestalten mitbringen. Für die Kunsttherapie braucht es z.B. Fähigkeiten unterschiedliche Techniken anwenden zu können. Dialogfähigkeit mit dem Werkstück, mit dem Material ist erforderlich und eine Kompositionsfähigkeit im Abstrakten und Gegenständlichen wird erwartet. Im Basisjahr, dem ersten Jahr der Weiterbildung, werden genau diese Fähigkeiten im Malerischen und Plastischen weiter entwickelt und trainiert.

Vielen Dank für das Interview!

hildrun-rolffHildrun Rolff, Dipl. Kunsttherapeutin (FH), seit 2005 Dozentin und Leiterin der 4-jährigen Berufsbegleitenden Kunsttherapie Weiterbildung an der Alanus Hochschule und verantwortlich für den Bereich Fachfortbildungen Kunstherapie - Medizin - Psychotherapie. Seit 1981 in eigener Atelier-Praxis, zuletzt in München und als Supervisorin, Lehrkunsttherapeutin und Coach mit kunsttherapeutischen Methoden arbeitend.
Seit 1996 als Dozentin in der Lehre an unterschiedlichen Hochschulen, Akademien und Bildungseinrichtungen tätig. Langjährige Erfahrungen als Kunsttherapeutin: in der Psychiatrie und Psychosomatik, Onkologie und in der Zusammenarbeit mit allgemeinärztlichen und internistischen Praxen.

Mehr zur berufsbegleitenden Kunsttherapieausbildung hier.

Informationen und Bewerbungsunterlagen zur Kunsttherapieausbildung können hier angefordert werden.

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